Umgangsformen sind wichtig
Alle Ausbildungsunternehmen legen hohen Wert auf angemessene Verhaltensweisen und Umgangsformen im Bewerbungsgespräch und in der Berufslehre.
So wie Lehrpersonen dir in der Schule auch nicht alles durchgehen lassen, sind auch in Lehrbetriebe gewisse Verhaltensweisen nicht erwünscht.
Lerne, welche Verhaltensweisen im Lehrbetrieb ankommen, welche geduldet und bei welchen du durchfällst, kennen.
Umgangsformen
Umgangsformen sind Regeln und Gewohnheiten für Verhalten, die von einer Gesellschaft, einer Kultur oder einem Unternehmen akzeptiert werden, um die Beziehungen zwischen Menschen, Mitarbeitenden zu erleichtern und eine entspannte (Arbeits-)Atmosphäre zu schaffen.
Sie umfassen konkrete Verhaltensweisen wie Begrüssung, Verabschiedung, Höflichkeit, Respekt, Anstand, Kommunikation, Pünktlichkeit, Arbeitseinstellung, Eigeninitiative, Teamplay, Aufmerksamkeit und Manieren.
Umgangsformen entwickeln sich mit der Zeit weiter. In Unternehmen ändern sie sich teilweise mit neuen Vorgesetzten.
Vorzeigeverhaltensweisen in Bewerbungsgesprächen
Lehrbetriebe achten nicht nur auf die Schulnoten und das Ergebnis des Eignungstests.
Dein Verhalten zählt genauso!
Bewerbungsgespräche geben dir die Gelegenheit, mit deinen Umgangsformen zu punkten. Lehrbetriebe erwarten sie sogar.
Tipps Umgangsformen Bewerbungsgespräch
Optimiere deine Umgangsformen für das Vorstellungsgespräch
Höflichkeit und Respekt
- Begrüsse die Person, die dich für das Bewerbungsgespräch im Unternehmen abholt.
- Begrüsse die Berufsbildungsverantwortliche, den Berufsbildungsverantwortlichen und die weiteren Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Vorstellungsgeprächs aus dem Personalbereich.
- Verwende die Ansprache 'Sie', ausser du wirst zum 'Du' eingeladen.
- Unterbrich keine Personen, die gerade sprechen.
- Bedanke dich für die Einladung zum Bewerbungsgespräch.
Zuverlässigkeit
- Sei pünktlich. Erscheine frühzeitig zum Einstellungsinterviewtermin.
- Melde dich beim Lehrbetrieb ab, solltest du krank sein oder eine andere Lehrstelle gefunden habe und du deswegen nicht für das Bewerbungsgespräch erscheinen kannst.
- Mache dir Notizen während des Bewerbungsgesprächs
- Kontaktiere das Unternehmen wieder, wenn abgemacht worden ist, dass du eine Rückmeldung zum Bewerbungsgespräch gibst.
- Informiere den Lehrbetrieb, wenn du ein anderes Lehrstellenangebot angenommen hast.
Kommunikation
- Stelle Fragen während des Bewerbungsgesprächs, z.B. wenn du mehr über einen Fachschwerpunkt wissen möchtest oder etwas nicht verstehst. Damit zeigst du Interesse an der Lehrstelle
- Schalte das Smartphone in den Stummmodus oder ganz ab.
- Hebe dich im Vorfeld des Einstellungsinterviews mit Freundlichkeit bei Telefongesprächen und E-Mails hervor.
Auftreten
- Trage für das Vorstellungsgespräch angemessene, passende Kleider.
- Achte auf deine Körperhygiene (kein Körpergerüche).
- Stütze während des Gesprächs deine Kopf nicht mit den Armen ab. Lehne dich auch nicht im Stuhl zurück.
- Strahle Zuversicht und Interesse am Lehrberuf aus.
Vorzeigeverhaltensweise während der Berufslehre in Lehrbetrieben und Berufsfachschule
Das Erwerbsarbeitsleben (und die Berufslehre) hat seine eigenen Gesetze und Rituale.
So wenig beste Umgangsformen im Privatleben schaden, so vorteilhaft sind sie während der Berufslehre im Lehrbetrieb und in der Berufsfachschule. Sie zählen auch schon während Schnupperlehren.
Mit schlechten Umgangsformen eckst du bei deinen Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen und bei Kundinnen und Kunden schnell mal an.
Du tust also gut daran, an deinen Umgangsformen zu feilen (gilt auch für deine Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen und Vorgesetzten ;-).
Mit dem Beginn einer Berufslehre bist du Teil eines Arbeitsteams und einem Unternehmen. In dieser Erwerbsarbeitswelt sind bestimmte Verhaltensweisen und Umgangsformen wichtig.
Sie helfen dir, optimal mit anderen Teammitgliedern, Vorgesetzten, Kundinnen und Kunden zusammenzuarbeiten, Vertrauen aufzubauen und dich im Lehrberuf weiterzuentwickeln.
Vor dir als Lernende, als Lernenden werden während deiner beruflichen Grundbildung Umgangsformen, wie sie unterhalb in der Liste aufgezählt sind, vom Lehrbetrieb erwartet:
Tipps Umgangsformen Berufslehre
Halte deine Umgangsformen während der Berufslehre hoch
Höflichkeit und Respekt: Benehmen
- Du begrüsst die Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen, auf die du im Unternehmen triffst.
- Du verabschiedest dich nach einer Sitzung oder bei Arbeitsschluss.
- Du sagst 'Bitte' und 'Danke'.
- Du verwendest die richtige Anrede 'Sie', und sprichst Personen nur mit 'Du' an, wenn dir das 'Du' angeboten wurde.
- Du hörst anderen Personen aufmerksam zu und unterbrichst sie nicht.
- Du behandelst alle gleich, egal ob Mitlernende, Vorgesetzte, Mitarbeitende und Kundinnen, Kunden des Unternehmens. Du bist also zuvorkommend und wertschätzend.
- Du begegnest Vorgesetzten, Kollegen, Kolleginnen, Kunden und Kundinnen mit Höflichkeit und Respekt.
- Du akzeptierst Unterschiede (Alter, Herkunft, Meinungen).
Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit
- Du kommst pünktlich zur Arbeit und an Meetings wie auch in die Berufsfachschule.
- Du verspätest dich nicht zu Terminen und am Arbeitsplatz.
- Du erledigst deine Arbeitsaufgaben selbständig, sorgfältig und termingerecht.
- Bist du mal krank oder hast du einen Unfall gehabt, informierst du den Lehrbetrieb umgehend.
Kommunikation
- Du stellst Fragen, wenn du einen Punkt nicht verstehst oder bei einer Arbeitstätigkeit nicht weiter weisst. Erweckst du den Eindruck oder tust du so, du wüsstest alles, manövrierst du dich ins Abseits.
- Du vertuschst nichts, und meldest Fehler.
- Du bist klar, freundlich und zuvorkommend am Telefon und in E-Mails. Wähle vor allem eine dem Unternehmenskontext angepasste, sachliche und angemessene Sprache. Schimpfwörter, Kraftausdrücke und Umgangssprache sind verpönt.
- Du lässt andere am Arbeitsplatz und in Meetings ausreden.
- Bei Problemen und Missverständnissen suchst du das Gespräch (am besten nicht lästern und schon gar nicht ignorieren).
Einstellung, Eigeninitiative, Lernbereitschaft und Interesse
- Du zeigst Interesse am Beruf, am Unternehmen und an deiner Arbeit
- Du vermittelst dem Lehrbetrieb, dass du lernen willst.
- Du packst auch mal freiwillig etwas zusätzlich an.
- Du schaust nicht gleich auf die Uhr, wenn es mal ein bisschen länger dauert, weil eine Arbeit erledigt werden muss.
- Du fragst nach, wenn du etwas nicht verstehst.
- Du bist offen für Rückmeldung und dir wohlgesonnene Kritik und nimmst diese ernst (du muss noch nicht alles auf Anhieb können, aber eben lernen wollen).
- Du verlierst nicht deinen Antrieb, wenn etwas mal schwierig ist.
Teamanschluss und Zusammenarbeit
- Vieles ist Teamarbeit. Du versuchst daher, dich einzubringen und schaffe dir Anerkennung in deiner Arbeitsgruppe.
- Du zeigst Teamgeist: Du hilfst anderen (und nimmst auch mal Hilfe an) und springst auch mal ein, wenn du gebraucht wirst.
- Du übernimmst Verantwortung.
- Du erledigst auch ab und an eine Aufgabe, die zwar nicht so spannend ist, aber einfach getan werden muss.
- Du beachtest und befolgst die Regeln und Anweisung deiner oder deines Berufsbildungsverantwortlichen.
- Du verlierst bei Meinungsverschiedenheiten oder entgegengesetzten Einsichten nicht gleich die Geduld und die Nerven.
- Du trägst zu einem angenehmen Arbeitsklima bei.
Verantwortungsbewusstsein
- Du übernimmst Verantwortung für deine dir vom Lehrbetrieb übertragenen Aufgaben.
- Du gehst sorgfältig mit Werkzeugen, Geräten, Materialien und Arbeitsräumen um.
- Du vertrittst das Unternehmen nach aussen, z.B. beim Kundenkontakt oder an Berufsschultagen.
Verhalten im Berufsarbeitsalltag
- Benutze dein Mobiltelefon nur in Pausen oder dann, wenn es ausdrücklich erlaubt ist.
- Verwende Kopfhörer nur dann, wenn du es für deine Teamleiterin, deinen Teamleiter, deine Chefin, deinen Chef und auch aus Sicherheitsgesichtspunkten in Ordnung ist.
- Halte dich an die Regeln und Vorschriften des Unternehmens, zum Beispiel Arbeitszeit, Pausenordnung.
- Gehe nicht einfach in die Mittagspause oder nach Hause, wenn eine Arbeit noch erledigt werden muss (und du Arbeitskollegen und Arbeitskolleginnen so im Stich lassen würdest):
Auftreten
- Deine (Berufs-)Kleidung passt zu deiner Berufsbranche, zu deinem Lehrberuf und deinem Ausbildungsunternehmen. Sie muss sauber sein.
- In allen Berufen ist Körperpflege wichtig (Haare, Nägel, Atem, Schweissgeruch). Du solltest also auf deine Körperhygiene achten.
- Mobiltelefone und Kopfhörer (teilweise erlaubt) gehören nicht in deine Lehrarbeitsumgebung, sofern du sie nicht für Ausübung deines Lehrberufs benötigst. Schaust du ständig (zu oft) auf das Smartphone, leidet deine Arbeit darunter (du erhältst deinen Lehrlingslohn nicht dafür).
Diese Umgangsformen gelten auch bei Unternehmensanlässen, Seminaren und Schulungen; und natürlich auch in der Berufsfachschule.
Deine fachlichen und schulischen Leistungen sind wichtig, aber dein Verhalten im Ausbildungsunternehmen ist genauso entscheidend für deinen Erfolg in der Lehre.
Vorzeigelernende?
Bevor hier der falsche Eindruck erweckt wird, du müsstest ein makelloser Vorzeigeschüler oder Lernender beziehungsweise eine mustergültige Vorzeigeschülerin oder Lernende sein, um eine berufliche Grundbildung starten und erfolgreich absolvieren zu können: Kein Mensch ist davor gefeit, einen schlechten Tag zu haben und ist vielleicht nicht immer ein Vorbild.
- Du wirst vielleicht mal über das Ziel hinausschiessen und dafür gerade stehen müssen.
- Während der Berufslehre wird dir nicht alles krumm genommen. Du wirst durchaus auch auf Verständnis und Nachsicht stossen, wenn dir Patzer und Schnitzer unterlaufen oder du nicht optimal reagierst.
- Keine deiner Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen ist perfekt, also musst du es auch nicht sein.
Lehrbetriebe und Berufsfachschule: Es läuft nicht immer alles rund und vorbildlich
Lehrbetriebe dulden keine Verhaltensweisen, mit denen du im Ausbildungsunternehmen oder in der Berufsfachschule abschlägig auffällst.
Umgekehrt sind Ausbildungsunternehmen gefordert, sich gegenüber dir korrekt und wohlwollend zu verhalten.
Du hast einen Anspruch darauf , dass dich Berufsbildungsverantwortliche, Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen anständig und respektvoll behandeln. Gleiches trifft für Berufsfachschulpersonen zu.
In manchen Berufszweigen und Lehrberufen ist der Umgang vielleicht (noch) etwas lauter, grober, rauer und direkter. Das heisst aber nicht gleich, dass er respektlos oder abwertend ist. Werden jedoch Verhaltensgrenzen überschritten, musst du dir diese überhaupt nicht gefallen lassen.
Du wirst im Lehrbetrieb vielleicht auch Konflikte und Unstimmigkeiten miterleben, an denen du nicht unbedingt beteiligt bist. Vieles verraucht wieder und ist der Hitze des Gefechts geschuldet und vielleicht gar nicht so gemeint. Wer um Entschuldigung bittet und sein Fehlverhalten eingesteht, sorgt dafür, das Gras darüber wächst und wieder normal weitergearbeitet wird.
Es gibt aber klare Grenzen.
Anfeindungen, Schikanen, Angriffe und Übergriffe sind verwerflich und gehören ausnahmslos gebannt und gemeldet.
Passen dir Verhaltensweisen von Vorgesetzten oder Arbeitskolleginnen oder Arbeitskollegen nicht, solltest du dieses Verhalten - am besten unmittelbar - ansprechen.
Warte damit nicht zu lange zu.
Es braucht vielleicht Überwindung, solche unangenehmen Dinge anzusprechen. Du musst dich nicht dafür schämen und schon gar nicht dir die Schuld geben. Stehe für dich ein.
Wende dich zuerst an deine Berufsbildungsverantwortliche oder deinen Berufsbildungsverantwortlichen oder die Verantwortlichen deiner Berufsfachschule. Kommst du hier nicht weiter, kontaktiere das Berufsbildungsamt in deinem Kanton.
Staue nichts auf, sonst läufst du Gefahr, dass es zu einem Lehrabbruch kommt. Das ist für alle Beteiligten schwierig.